Erfahrungsbericht einer Bekannten

Erfahrungsbericht einer Bekannten:

„Heute bekam ich überraschenden Besuch von einem somalischen Mitarbeiter, der seine allererste Lohnabrechnung von Dezember reklamierte.
„Schau mal, ich bin seit einer Woche sehr traurig über dies!“ (Er spricht wirklich sehr gut Deutsch, was für die Somalis jedoch nicht unüblich ist, da diese ein besonderes Sprachgefühl zu haben scheinen.)
Ich schaute auf das Blatt Papier, welches er mir vors Gesicht hielt, konnte aber keinen Fehler entdecken.
„Was soll denn nicht stimmen?“ fragte ich zurück.
„Die Firma betrügt mich. Schau mal, was ich raus habe!“
Noch einmal schaute ich auf den Nettolohn, überflog alle Angaben, Steuerklasse 1, sozialversicherungspflichtige Abgaben, etc
„Mmh! Ich weiß nicht, was du meinst, was stimmt denn nicht?“
Er schaute mich mit großen Augen an:
„Mir fehlen 450 Euro!“ und dann tippte er mit seinem schmalen Zeigefinger auf den Nettolohn. „Schau, oben 1645 Euro, hier 1200 Euro!“
Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen:
„Ach, du meinst den Brutto- und Nettolohn, jetzt verstehe ich! … Nein, die Firma betrügt dich nicht, das ist vollkommen richtig. Das sind deine monatlichen Steuern und deine Sozialabgaben bei Steuerklasse 1!“
„Wie monatlich? Ich zahle das jeden Monat?“er schaute entsetzt.
„Genau!“
„So viel? Aber meine Kumpel in Italia und in Nederland zahlen nicht so viel!“
Ich: „Das kann ich nicht beurteilen, wie der Steuersatz in anderen EU-Ländern ist, aber ich weiß, das Deutschland eins der Schlusslichter in der EU ist, was diese enormen Abzüge angeht.“ Jedoch war ich sehr professionell und diplomatisch und fügte hinzu: „Du darfst aber auch nicht vergessen, dass dieser hohe Steuersatz dich 15 Monate lang unterstützt hat. Du hast hier umsonst gelebt, konntest deine Sprachkurse und dein Bewerbertraining besuchen, hast gegessen und getrunken auf Kosten des Steuerzahlers! Das wäre gar nicht möglich, wenn wir diese hohen Abzüge nicht zahlen würden jeden Monat! Von daher ist es doch auch gut für dich und deine „Kollegen“ gewesen!“
Er: „Aber das ist so viel?!?“
Ich: „Das geht bei dir noch. Je mehr du im Laufe der Zeit verdienst, desto mehr wird abgezogen.“
Er schaute mit großen Augen: „Das mache ich nicht! Da gehe ich gar nicht mehr Arbeit!“
Ich: „Das ist aber keine schöne Idee. Denn eigentlich möchte man dem Land, was einen so freundlich aufgenommen und unterstützt hat, doch etwas zurückgeben, und das tut man am allerbesten mit seiner Arbeitskraft und den verbundenen Steuern, die man dadurch zahlt.“
Er war entsetzt.
Ich: „Oder du beschwerst dich bei Frau Merkel. Vielleicht erhört sie dich ja!“
Er: „Und das machen die Deutschen so mit? Warum?“
Ich: „Was sollen wir denn machen außer wählen gehen? Wir müssen ja auch leben!“
Er: „Also ich überlege zu gehen zu meine Kumpel nach Italia oder Nederland, wenn das da anders ist.“
Ich: „Das kannst du ja gerne überlegen. Aber deine Lohnabrechnung ist vollkommen korrekt. Da ist alles richtig gelaufen.“
Er verließ dann das Büro freundlich, aber doch nachdenklich.

Das hatte ich so bisher auch noch nicht!“